Familiengottesdienst in Wiesbaden am 7. Februar 2010
zum Evangelium vom reichen Fischfang
P steht am Altar
So wird es Jesus und den Menschen vielleicht auch ergangen sein. Jesus hier, die Leute dort. Von vielen Menschen, die Jesus zuhören wollen, erzählt die Bibel, deshalb ist Jesus in ein Boot gestiegen und hat sie gelehrt. Was glaubt Ihr, wie viele Menschen werden das damals gewesen sein? Ich glaube, das waren gar nicht so viele. Der Evangelist Lukas hat sicherlich etwas übertrieben, als er die Geschichte aufgeschrieben hat, denn schließlich wollte er die frohe Botschaft von Jesus ja auch an den Mann und an die Frau bringen. Ich glaube, so viele Leute waren das gar nicht. Vielleicht waren´s so viele wie heute hier in der Kirche. Jesus hier, die Menschen dort. Ich hier, ich dort. Vielleicht sollte ich immer von hier aus predigen, Jesus war ja auch weit weg von den Leuten. Was findet Ihr besser? Hier stehen zu bleiben, um zu predigen, oder runterzukommen und näher zu kommen?
P geht runter ans Mikrofon
Ich denke, so ist´s besser. Ich habe gerade gesagt: Jesus war weit weg von den Menschen. Stimmt das? War er wirklich weit weg? Wollte er mit den Menschen eigentlich nichts zu tun haben? Jesus ist ganz nah bei den Menschen. Es gibt ganz viele Geschichten in der Bibel, in denen das deutlich wird. Fallen Euch solche Geschichten ein?
Jesus will bei den Menschen sein. Und das Entscheidende ist: er will auch heute bei den Menschen sein. Wie kann das denn gehen: Dass Jesus heute bei den Menschen sein kann. Auch bei uns?
Jesus beruft Menschen, um von ihm zu erzählen. Er erzählt das in einem eindrucksvollen Bild, in dem Gespräch mit Petrus. Was sagt Jesus zu Petrus? Erinnert Ihr Euch? Von jetzt an wirst Du Menschen fangen. Was soll das denn heißen?
Ihr kennt das vom Fangenspielen. Wenn jemand gefangen ist, gehört derjenige ganz dem, der fängt. Der kann nicht mehr davon laufen. Manchmal sagt man auch: Ich bin von einer Sache ganz gefangen. Dafür gebe ich alles! Und das will auch Jesus von uns: Dass wir für Jesus losgehen, um andere Menschen für ihn zu begeistern!
Aber mal ehrlich: Ist das wirklich so, dass die Menschen an uns ablesen können, wie toll es zum Beispiel ist, sonntags in die Kirche zu gehen? Oder wie schön es sein kann, sich in der Kirche zu engagieren? Manchmal sitzen wir eher da mit herunterhängenden Armen und sagen: Ach, was solls, wir haben den ganzen Tag gearbeitet. Und jetzt auch noch Menschen fangen? In die Kirche gehen? Manchmal ist es auch so, dass Menschen nicht in die Kirche wollen, weil sie spüren: Das, was da gesagt wird, hat doch eigentlich gar nichts mit mir zu tun. Das ist ja ganz, ganz weit weg. Ich hoffe, das ist hier bei uns nicht der Fall.
Aber deshalb ist es gerade wichtig, dass es Menschen gibt, die andere gefangen nehmen. Die andere anstecken mit ihrer Begeisterung für Jesus, weil er eben nicht weit weg ist, sondern gut zu uns ist. Aber Halt! Es ist nicht nur wichtig, dass es andere Menschen gibt, nein, es ist auch wichtig, dass ICH zu einem solchen Menschen werde! „Sie ließen alles zurück und folgten Jesus nach“, heißt es da. Habe ich den Mut zum Aufbruch? Oder bleibe ich lieber mit dem Hintern im Bett?
Die Kirche ist ein bunter Haufen. Und unsere Gemeinde ist es auch! Und da sind Menschen, die sich für Jesus begeistern, sonst wären sie heute nicht hier. Und wenn jemand mal nicht so begeistert ist, oder wenn ich mal nicht so viel Bock auf Kirche habe, dann braucht es jemanden, der mir sagt: Mensch, überleg doch mal! Der mir dann sagt: Was wäre denn die Gemeinde ohne Dich? Was wäre denn, wenn jeder so denken würde und sagen würde: Die anderen machen das schon.
Jesus will Dich! Und ich bin mir ziemlich sicher, dass Du einen Menschen kennst, vielleicht auch hier in der Gemeinde, der für Dich solch ein Menschenfischer ist. Der Dir sagt: Komm, mach doch mit! Komm, sei mit dabei! Der Dir in Deinem Leben, wenn Du nicht mehr weitersiehst, eine neue Perspektive aufzeigt und Dir sagt: Wirf das Netz einfach noch mal auf der anderen Seite aus!
Mitgehangen – Mitgefangen. Mit unserer Taufe sind wir Jesus schon längst ins Netz gegangen. Ich möchte herzlich einladen, dass wir uns heute noch mal neu fangen lassen: dass wir unseren eigenen Namen und / oder den Namen eines Menschen in das Netz hier vor dem Altar hängen, der für uns ein Menschenfischer ist, der für uns ein solch ansteckender Mensch ist, der uns Mut macht und uns für etwas begeistert. Und ich glaube, dann werden wir sehen, wie viele Menschen auch hier in dieser kleinen, aber wertvollen Gemeinde Jesus schon ins Netz gegangen sind!
Am gestrigen Samstag wurden Bischof Joachim Vobbe und seine Frau Mariette Kraus-Vobbe sowie die Ordinariatsangestellten Margret Becker und Waltraut Schnittker in Bonn verabschiedet.
Wir haben einige Impressionen vom Mittagsgebet in der Bonner Namen-Jesu-Kirche und von der anschließenden Feier für Sie zusammengestellt.
Fotos: Heike Kiefel
“Du bist willkommen!” Mit dieser Grundbotschaft erinnere ich in meiner Predigt an den Abschied von Bischof Jacques Gaillot von seiner Diözese vor 15 Jahren, am 25. Januar 1995.


