„Katholiken, die ihren Bischof selbst wählen“
Offizielle Pressemitteilung zur Synode und Bischofswahl Anfang November
Der 7. November 2009 wird ein wichtiger Tag für die Mitglieder der alt-katholischen Kirche in Deutschland. An diesem Samstag wählt ihre Synode, eine Art Kirchenparlament, einen neuen Bischof. Der bisherige Amtsinhaber, Joachim Vobbe (62), hat aus gesundheitlichen Gründen seinen Rücktritt für das kommende Frühjahr erklärt.
Das »Katholische Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland«, so der offizielle,staatskirchenrechtlich anerkannte Name, ist eine bischöflich-synodal verfasste katholische Kirche.Das bedeutet, dass die Kirchenmitglieder nicht nur ihre Pfarrerinnen und Pfarrer wählen, sondernauch ihr geistliches Oberhaupt.
Die Geschichte der alt-katholischen Kirche geht zurück auf das Erste Vatikanische Konzil, auf welchem 1870 in Rom die Unfehlbarkeit des Papstes beschlossen wurde. Die Opponenten gegen dieses Dogma schlossen sich 1873 zu einem eigenen Bistum zusammen, das noch im selben Jahr die staatliche Anerkennung in den meisten deutschen Staaten erhielt.
Die Alt-Katholiken, deren Namensbestandteil »alt« zunächst eine konservativere Kirche vermuten ließe, verstehen sich vielmehr als Reformkirche unter Bezug auf die Kirche der ersten Jahrhunderte. So ist nicht nur die Bischofswahl durch die Synode und die Pfarrerwahl durch die Gemeinde möglich, es ist den Geistlichen auch freigestellt, ob sie heiraten oder ehelos blieben wollen. Priestermangel ist im alt-katholischen Bistum ein Fremdwort. Die Ohrenbeichte ist im Angebot, aber nicht verpflichtend. Grundsätzlich ist eine kirchliche Wiederheirat für Geschiedene möglich. Seit 1994 sind Frauen zu allen kirchlichen Ämtern zugelassen. Auch Homosexualität ist kein Tabuthema mehr.
Bischof der Alt-Katholiken zu sein, heißt, gleichzeitig Seelsorger, Manager, Personalchef, Finanzexperte, kundiger Theologe und öffentlichkeitswirksamer Repräsentant zu sein. Dem Bischof stehen allerdings in der Leitung des Bistums vier durch die Synode gewählte Laien und zwei gewählte Priester zur Seite.
Zwei Kandidaten aus den Reihen der Pfarrerinnen und Pfarrer haben ihre Bereitschaft zur Übernahme dieses geistlichen Allrounder-Amtes erklärt, wenn die Wahl auf sie fiele: Dr. Matthias Ring, Pfarrer in Regensburg, und Dekan Jürgen Wenge, Pfarrer in Köln.
Man darf gespannt sein, wie die ca. 130 Synodalen am Samstag, den 7. November 2009, in der Mannheimer Schlosskirche, in der die Wahl stattfindet, entscheiden.
Die Weihe des neuen Bischofs findet am 20. März 2010 an einem noch auszuwählenden Ort statt.


Katholiken, die heute, am Gedenktag des Hl. Willibrord ihren nächsten Bischof gewählt haben, dass sind wir! Ich gratuliere Bischof electus Dr. Matthias Ring ganz, ganz herzlich zu seiner Wahl zum 10. katholischen Bischof der deutschen Alt-Katholiken und wünsche ihm allzeit eine glückliche Hand bei den vielfältigen Aufgaben, die ihn in diesem Amt erwarten. Es war eine echte Wahl mit drei Wahlgängen. Dies verdanken wir auch den beiden anderen Bewerbern Jürgen Wenge und Ingo Reimer. Deshalb an dieser Stelle auch an die beiden ein ganz herzliches Dankeschön für ihre Kandidatur. Jürgen Wenge hat dem neuen Bischof als einer der Ersten zur Wahl gratuliert. Eine eigentlich, manchmal aber leider doch nicht selbstverständliche Geste. Und der neue Bischof hat in seiner ersten Ansprache sich bei Jürgen Wenge ausdrücklich für die im Vorfeld der Bischofswahl stets faire und einwandfreie Zusammenarbeit bedankt. Weiter so! Die Synodalen hatten tatsächlich die Qual der Wahl zwischen zwei recht unterschiedlichen, gleichwohl jedoch auf ihre je eigene Art sehr geeigneten Kandidaten. Vielleicht könnte ja aus dem neuen Bischof und Jürgen Wenge als neuem Generalvikar ein Dream-Cream-Team für unsere Kirche werden?!